hard2hear

Hey du,

ich möchte dich mal etwas fragen: Wann war das letzte Mal, dass du einfach mit dir selbst alleine warst? Ohne Hintergrundmusik, ohne Menschen um dich herum, ohne Handy, ohne an deine ewig lange To-Do-Liste zu denken. Wahrscheinlich ist das sowohl bei dir als auch bei mir schon relativ lange her. Dabei ist es erstens total wichtig und zweitens auch total schön, sich einfach mal mit sich selbst zu beschäftigen.

Und damit meine ich nicht, dass du einfach alleine zuhause bist und durch dein Handy scrollst, die Wäsche machst oder sonst etwas. Ich meine auch nicht, dass du gehetzt einkaufen gehst oder zum Bahnhof läufst. Ich meine die Momente, in denen man wirklich mal etwas alleine unternimmt. Denn irgendwie vergessen wir viel zu oft, dass das auch eine Beschäftigung ist.

Wenn wir nichts vorhaben, ist der erste Gedanke oft: „Okay, was kann ich jetzt unternehmen?“ Und dann kommen dir wahrscheinlich verschiedene Ideen in den Kopf – die beste Freundin oder den besten Freund anrufen, etwas mit deiner Familie unternehmen oder dich mit irgendjemandem treffen. All das sind wahrscheinlich Optionen, über die du nachdenkst – oder so ist es zumindest bei dir.

Aber zu selten denken wir: „Hey, ich könnte ja einfach mal zuhause bleiben, mein Lieblingsbuch lesen oder einen Film schauen.“ Wir denken nicht daran, dass wir zum Spaß mal wieder etwas backen oder einfach ein bisschen spazieren gehen könnten. Wir haben irgendwie immer das Bedürfnis, beschäftigt zu sein oder etwas mit anderen zu unternehmen.

Ich sage nicht, dass man kein wundervolles Leben führen kann, wenn man wenig Zeit alleine verbringt – das kommt ganz auf den Typ Mensch an, der du bist. Manche Menschen brauchen mehr Ruhe und Pausen, andere weniger. Aber ich persönlich merke immer wieder, wie gut es mir tut, mir einfach mal Zeit für das zu nehmen, was ich gerne mache – manchmal alleine, manchmal auch mit anderen.

Und ich glaube, dass viele Menschen erst wieder lernen müssen, alleine zu sein – ungestört und ruhig. Denn es ist manchmal einfacher, sich konstant zu beschäftigen, als sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Um das zu vermeiden, versuchen viele Menschen, sich immer zu verplanen, immer etwas vorzuhaben, nur um dem aus dem Weg zu gehen, was eigentlich gerade im Inneren passiert. Man kann natürlich nicht pauschalisieren, dass das bei jedem so ist, aber ich würde behaupten, dass sich einige, die das jetzt lesen, in diesem Muster wiederfinden.

Dass einem das passiert, ist vollkommen normal. Wir leben in einer Welt, in der es einfach ist, sich abzulenken. Es ist einfach, dauernd beschäftigt zu sein, und es ist einfach, dem Alleinsein aus dem Weg zu gehen. Deswegen ist es völlig okay, wenn man sich mal ablenken lässt. Das Wichtige ist nur, dass man es merkt.

Ich habe das Gefühl, dass die meisten Menschen mit dem Alleinsein etwas Einschüchterndes verbinden. Sie denken, es sei langweilig und unnötig. Aber ganz ehrlich: Zeit mit sich selbst zu verbringen ist zum einen sehr wichtig und zum anderen auch sehr schön. Dir sind keine Grenzen gesetzt – du musst niemandem etwas vorspielen, niemandem etwas recht machen. Du kannst einfach das tun, worauf du gerade Lust hast und was dir gut tut.

Es gibt auch nichts, was du nicht alleine machen kannst. Du kannst alleine essen gehen, alleine spazieren gehen, dich alleine für eine Feier fertig machen, alleine shoppen gehen, alleine einen Kurs belegen, alleine arbeiten, alleine ins Schwimmbad oder ins Kino gehen. Alles geht, auch wenn das in unserer Gesellschaft nicht unbedingt normal ist. Und auch wenn es zunächst vielleicht unangenehm und ungewohnt ist, kann ich dir versprechen: Du wirst dich daran gewöhnen und lernen, die Zeit alleine zu genießen – vorausgesetzt, du nimmst dir die Zeit für dich selbst und lernst, deine eigene Anwesenheit zu mögen.

Wenn du Zeit alleine verbringst, hat das viele Vorteile. Du beschäftigst dich automatisch mit dir selbst, verarbeitest vielleicht Dinge, die du sonst gar nicht bemerkt hättest. Du lernst dich selbst besser kennen und wirst selbstbewusster. Du wirst langsam erkennen, dass alleine sein auch schön sein kann, und lernen, dir Zeit für dich zu nehmen, wenn du sie brauchst. Du wirst ausgeglichener und wahrscheinlich auch zufriedener. Denn wer sich selbst kennt, seine Bedürfnisse erfüllt und sich um sich selbst kümmert, der ist sehr unwahrscheinlich unglücklich.

Alleine sein ist Typsache. Es gibt Menschen, die total gerne alleine sind, und wieder andere, die es hassen. Und das ist okay. Aber ich glaube, jeder kann davon profitieren, Zeit mit sich selbst zu verbringen und sich besser kennenzulernen, selbst wenn es am Anfang total unangenehm und komisch ist. Um zu lernen, deine eigene Anwesenheit zu genießen, musst du dir hin und wieder bewusst Zeit fürs Alleinsein einräumen. Mit der Zeit wirst du dich daran gewöhnen.

Wie gesagt, man kann alles alleine unternehmen, solange man sich darauf einlässt. Zeit alleine kann für jeden unterschiedlich aussehen: Für die eine Person bedeutet das, sich einen ganzen Tag aufs Sofa zu setzen und ein Buch zu lesen, für eine andere ein ganzer Wochenendtrip. Es ist vielleicht am Anfang nicht einfach, aber ich weiß, dass du dich mit der Zeit daran gewöhnen wirst, Zeit mit dir selbst zu verbringen.

Du schaffst das, ich glaub an dich!