Hey du,
wir alle haben schon unfassbar tolle Dinge und Momente erleben dürfen. Und wenn diese Dinge vorbeigehen, hat man oft das Bedürfnis, dorthin zurückzugehen. Man würde alles, was man erlebt hat, gerne nochmal durchleben. Man möchte einfach die Zeit zurückdrehen. Und das zu wollen, ist unfassbar normal und menschlich.
Wenn man eine geliebte Person verliert, dann ist es etwas Gutes, denn es erinnert daran, wie lieb man diese Person hatte. Wenn man gerne ein Erlebnis wiederholen möchte, dann zeigt das nur, wie schön es war. Das Gefühl, etwas zu vermissen, beweist einfach nur, dass man eine tolle Zeit hatte. Und das ist eigentlich etwas Schönes, weil man das Privileg hatte, etwas zu erfahren, das es wert ist, vermisst zu werden.
Es gibt keine richtige Zeit, wann man aufhören sollte, etwas zu vermissen. Es wird auch Dinge geben, die man sein ganzes Leben lang vermissen und sich zurückwünschen wird. Und das ist auch vollkommen okay. Man muss nur irgendwann lernen, damit umzugehen und akzeptieren, dass dieses Gefühl eben auch zum Leben gehört.
Denn es ist total in Ordnung, wenn man vermisst. Am Anfang mehr, und irgendwann weniger. Aber es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem man loslassen muss. Und es gibt einen Spruch, der das Ganze ziemlich gut zusammenfasst:
Du kannst nicht vorwärts gehen, wenn du die ganze Zeit nach hinten schaust.
Lass mich das erklären: Jemanden zu vermissen ist normal. Aber sein ganzes Leben darum kreisen zu lassen, dass diese Person einem fehlt, ist auf lange Sicht nicht gesund. Sich eine bestimmte Erinnerung zurückzuwünschen ist auch normal – bis man sein gesamtes Leben darauf ausrichtet, diesen Moment noch einmal zu erleben. Das Bedürfnis, die Zeit zurückzudrehen, kann eine ganz natürliche Reaktion sein. Aber wenn man anfängt, mehr in der Vergangenheit zu leben als im jetzigen Moment, dann wird dich das irgendwann sehr belasten.
Ich gehe jetzt nicht davon aus, dass das bei jedem, der das hier liest, der Fall ist. Aber wir Menschen tendieren dazu, Situationen schnell zu überdramatisieren. Und das ist auch kein Problem, solange man sich nach kurzer Zeit wieder fängt und etwas beruhigt. Aber manchmal braucht man eben eine Erinnerung daran, dass das Leben weitergeht und man die Vergangenheit irgendwann gehen lassen muss.
Das bedeutet nicht, dass man nicht mehr vermissen darf, was man verloren hat – egal, ob das ein Mensch, eine Situation oder ein bestimmter Ort ist. Das bedeutet einfach nur, dass man irgendwann akzeptieren muss, dass diese Dinge weg sind und nie wiederkommen. Und das darf wehtun. Aber die Welt dreht sich trotzdem weiter. Das Leben hört nicht auf. Und auch wenn es okay ist, mal kurz auf Pause zu drücken, ist das kein Dauerzustand.
Wenn du dich die ganze Zeit mit der Vergangenheit beschäftigst, dann blockierst du dich selbst und nimmst dir die Möglichkeit, über Dinge hinwegzukommen oder dich weiterzuentwickeln. Wenn du dich die ganze Zeit fragst, was gewesen wäre, wenn etwas anders gelaufen wäre, dann hinderst du dich selbst daran, weiterzuleben.
Wie gesagt, es ist in Ordnung zu vermissen. Es ist auch unfassbar wichtig, sich damit zu beschäftigen. Aber es ist ein sehr großer Unterschied, ob man über etwas nachdenkt, oder ob eine Sache dein gesamtes Leben konsumiert und dich blockiert.
Schau mal, das Vermissen wird nicht besser werden. Schon gar nicht, wenn du dir selbst nicht erlaubst, dich weiterzuentwickeln und loszulassen. Aber irgendwann lernt man, damit umzugehen. Es geht nicht darum, dass dieses leere Gefühl irgendwann verschwindet. Es geht darum, es zu akzeptieren und damit weiterzuleben. Und das ist die Art, wie man das Verlorene weiter bei sich trägt: indem man es nicht vergisst, aber akzeptiert, dass es nicht mehr da ist.
Und das kann manchmal länger und manchmal kürzer dauern. Du darfst dir die Zeit nehmen, die du brauchst, um mit etwas abzuschließen. Aber du musst dir bewusst sein, dass du lernen musst, ohne das, was du verloren hast, weiterzuleben. Und das ist am Anfang nicht leicht. Aber es wird leichter. Vor allem, wenn du dir erlaubst, weiterzuleben. Denn das darfst du. Und denk daran: Du kannst nicht vorwärts gehen, wenn du ständig zurückschaust.
Du schaffst das, ich glaube an dich.