hard2hear

Hey du,

ich glaube, wir hatten alle schon Tage oder Phasen, an denen wir alles gemacht haben – außer die Dinge, die wir eigentlich hätten tun sollen. Wir lenken uns konstant selbst ab und versuchen, das, was wir tun wollen, so weit wie möglich aufzuschieben. Und auch wenn das oft sehr einfach ist, fühlt man sich am Ende des Tages trotzdem total doof, weil man nicht das geschafft hat, was man eigentlich tun wollte.

Aber wir lenken uns nicht nur von unseren Aufgaben ab. Manchmal möchten wir uns auch vor uns selbst ablenken. Wir beschäftigen uns mit allem anderen, außer damit, wie es uns wirklich geht. Man unterdrückt dabei seine Gefühle nicht aktiv, aber man schiebt sie eben auf.

Und das merken wir oft nicht einmal. Wir fragen uns zwar, was mit uns los ist, denn oft funktioniert das Ablenken nicht ganz so gut, aber wir übersehen viel zu oft, wie es uns wirklich geht. Denn auch wenn man versucht, sich abzulenken, bleibt das Gefühl oder die Emotion in dir.

Am häufigsten lenken wir uns ab, wenn etwas vorgefallen ist, das ein ungewohntes Gefühl ausgelöst hat. Wir kennen dieses Gefühl nicht. Und statt uns damit zu befassen, lenken wir uns einfach davon ab – in der Hoffnung, dass es von allein weggeht. Das alles passiert oft unterbewusst.

Das bedeutet aber nicht, dass wir das Gefühl nicht registrieren. Oft bemerken wir die Gefühle. Aber wir können sie nicht einordnen. Wir verstehen uns selbst nicht und sind deshalb überfordert. Und ohne dass man es merkt, versucht man dann, das Gefühl wegzuschieben.

Dieses Prinzip funktioniert vielleicht kurzfristig. Aber man kann Gefühle oder Emotionen nicht einfach wegschieben – man muss sich mit ihnen konfrontieren. Gefühle müssen gefühlt und verarbeitet werden. Und das funktioniert eben nicht, indem man sie einfach ignoriert.

Meistens sind die Situationen, mit denen wir überfordert sind, nicht einmal ein riesiges Ding. Manchmal sind es nur ungewohnte Gefühle, vielleicht eine kleine Veränderung in deinem Umfeld oder etwas, das dir davor nie aufgefallen ist. Aber manchmal können schon solche kleinen Dinge ungewohnte Gefühle auslösen. Und das ist vollkommen normal und okay.

Das Wichtigste ist, dass man sich dann auch tatsächlich mit diesen Gefühlen konfrontiert. Oft bemerkt man selbst, wenn man gerade dabei ist, sich von seinen Emotionen abzulenken. Das kann sich natürlich auf ganz unterschiedliche Weise bemerkbar machen, aber Fakt ist, dass es sich bemerkbar macht.

Die einen können in solchen Phasen keine Stille aushalten, denn sonst würde das Gedankenkarussell direkt losgehen. Andere müssen immer etwas zu tun haben und sich beschäftigen. Einige sind in solchen Phasen auch emotional instabiler und empfindlicher als sonst. Und oft ist man außerdem konstant emotional erschöpft, ohne wirklich zu wissen, woher das kommt. Das sind natürlich nur Beispiele, aber so können sich unterdrückte Emotionen bemerkbar machen.

Wenn man selbst merkt, dass man gerade versucht, seine Gefühle zu unterdrücken, dann ist das schon einmal ein erster Schritt, um damit aufzuhören. Aber was kann man aktiv dagegen tun, dass man sich von seinen Emotionen ablenkt?

Oft muss man einfach einmal hinspüren und sich fragen, wie es einem gerade wirklich geht. Und das ist leichter gesagt als getan, denn es kostet oft viel Überwindung, sich mit einem Gefühl auseinanderzusetzen, das einen eigentlich überfordert. Aber am Ende des Tages musst du dich irgendwann zwangsläufig mit diesem Gefühl auseinandersetzen. Und glaub mir: Es ist sehr viel angenehmer, das freiwillig zu tun als unfreiwillig. Denn Gefühle kann man nicht langfristig unterdrücken. Gefühle müssen gefühlt und verarbeitet werden, auch wenn das manchmal nicht schön ist.

Wichtig ist, dass man diese Gefühle zulässt. Ich weiß, dass es sich manchmal nicht gut anfühlt. Ich weiß, dass Emotionen unfassbar schmerzhaft und schwer sein können. Aber das ist kein Dauerzustand. Genauso wie eine Emotion auftaucht, wird sie auch irgendwann wieder verschwinden. Aber damit sie das auch tut, musst du dich eben mit der Emotion auseinandersetzen. Du musst das Gefühl zulassen und fühlen. Und auch wenn man sich oft dazu überwinden muss, ist es meistens gar nicht so schlimm, wie man es sich vorher vorstellt.

Ein Gefühl zuzulassen und sich damit zu konfrontieren bedeutet für jeden etwas anderes. Die einen sprechen darüber, die anderen schreiben es auf, und wieder andere nehmen sich einfach Zeit zum Nachdenken. Wie man sich mit einem Gefühl konfrontiert, ist letztendlich egal. Wichtig ist nur, dass man das Gefühl zulässt. Man muss sich fragen, was man da eigentlich gerade fühlt, woher dieses Gefühl kommt und was man tun kann, damit man sich besser fühlt.

Das klingt jetzt alles wie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, aber man muss im Kopf behalten, dass dieser Prozess für jeden anders aussieht – und dass das auch vollkommen okay ist. Jeder sollte sich seine Zeit nehmen und die Dinge tun, die sich für einen selbst am besten anfühlen.

Dass man sich mal von seinen eigenen Gefühlen ablenkt, ist vollkommen normal und wird jedem von uns nicht nur einmal im Leben passieren. Entscheidend ist nur, dass man reflektiert genug ist, um das zu erkennen und sich dann auch mit dem Gefühl zu konfrontieren. Denn egal, wie sehr man es versucht: Ein Gefühl kann man nicht einfach wegschieben oder ignorieren. Man muss es früher oder später zulassen. Und auch wenn man davor manchmal Angst hat, ist es meistens gar nicht so schlimm, wie man denkt.

Du schaffst das, ich glaube an dich.

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