hard2hear

Hey du,

das Prinzip, jeden Tag 1 % besser zu werden, ist grundsätzlich ein schönes Konzept. Trotzdem finde ich, dass es wichtig ist, ein paar Dinge klarzustellen.

Bei der 1-%-Methode geht es darum, sich jeden Tag ein kleines bisschen zu steigern. Es geht darum, große Ziele in kleine, alltägliche Schritte aufzuteilen. Es geht darum, sich nicht mit riesigen Veränderungen zu überfordern, sondern alles langsam und nachhaltig anzugehen. Und es geht darum, neben der Zielerreichung auch noch zu leben.

Das ist etwas Schönes und grundsätzlich ein gutes Konzept. Allerdings glaube ich nicht, dass man jeden Tag 1 % mehr leisten kann als am Tag davor. Im Leben gibt es Phasen, in denen man sich nicht verbessert. Phasen, in denen man mental oder physisch einfach nicht in der Lage ist, 1 % mehr zu geben.

Genau deshalb möchte ich eine andere Perspektive auf die 1-%-Methode werfen. Es geht nicht darum, sich jeden Tag zu steigern. Es geht darum, jeden Tag überhaupt etwas zu tun. An den Tagen, an denen man 100 % hat, kann man 100 % geben. Aber es wird auch Tage geben, an denen man nur 20 % hat. Und dann gibt man eben diese 20 %. Man gibt jeden Tag so viel, wie man gerade geben kann. Und wenn das über mehrere Monate nur 2 % sind, dann ist das so. Aber dann ist es zumindest etwas.

Ich denke, wir müssen weg von dem Gedanken, uns jeden Tag steigern zu müssen. Stattdessen sollten wir hin zu dem Gedanken kommen, jeden Tag einen kleinen Schritt zu machen. Einen Schritt, der nicht größer sein muss als der am Tag davor. Einen Schritt, der sogar kleiner sein darf, ohne dass wir uns deshalb schlecht fühlen. Wir sollten uns weniger auf Prozentzahlen fokussieren und mehr ein Gefühl dafür entwickeln, wie viel wir geben können, ohne uns zu überfordern. Wichtiger als das, was man an einem einzelnen Tag schafft, ist das, was man über Wochen, Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg erreicht.

Ja, jeder Tag ist ein Anfang, und es ist wichtig, die Zeit, die man hat, zu nutzen. Aber es ist mindestens genauso wichtig, dabei auf den eigenen Körper zu hören. Es ist wichtig, sich Pausen zu erlauben und auch mal runterzufahren. Es ist wichtig, zu akzeptieren, dass man nicht jeden Tag sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Und es ist wichtig zu erkennen, dass jeder kleine Schritt zählt – auch wenn er kleiner ist als am Tag oder in der Woche davor.

Denn bei Veränderung geht es nicht darum, alles auf einmal zu schaffen. Es geht nicht darum, ständig besser zu werden, sondern in erster Linie darum, dranzubleiben. Die Verbesserung kommt von selbst. Aber darauf sollte nicht der Fokus liegen. Der Fokus sollte auf den kleinen Schritten in Richtung Ziel liegen.

Wenn man die 1-%-Methode so versteht, ist sie extrem effektiv. Denn niemand von uns kann sich dauerhaft nur steigern. Wir alle brauchen Hochs und Tiefs – und wir brauchen sie für unsere Entwicklung. Egal, wie viel du gerade schaffst, egal, wie sehr du dich im Moment verbesserst: Was zählt, ist, dass du weitermachst. Dass du dazulernst und an dir arbeitest. Glaub mir, die Veränderung wird kommen. Nicht, wenn du sie verzweifelt suchst, sondern wenn du kontinuierlich etwas dafür tust.

Sie kommt, wenn du anfängst, die kleinen Schritte wertzuschätzen, anstatt dich auf ständige Verbesserung zu fixieren.

Du schaffst das, ich glaube an dich.

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