Hey du,
ich glaube, alle hatten schon mal Tage, an denen wir einfach die ganze Zeit hätten heulen können. Tage, an denen sich alles schwer anfühlt. Tage, an denen man unmotiviert ist. Tage, an denen man sich mental ausgelaugt fühlt und eigentlich gar nicht versteht, warum.
Und genau diese Tage sind es meistens, an denen uns unsere Emotionen überrumpeln. Manchmal läuft der ganze Tag nicht nach Plan und man ist einfach verzweifelt. Manchmal gibt es trotz der ganzen Gefühle Momente, in denen man einfach nur glücklich ist. Und manchmal fängt der Tag eigentlich ganz gut an, nimmt dann aber eine Wendung.
Wenn ich dir eins sagen kann, dann, dass all das vollkommen normal ist. Letztendlich sind wir Menschen, die fühlen, die erleben und die immer wieder dazulernen. Man kann nicht jede Emotion verstehen, man kann nicht immer glücklich sein. Und das muss jeder irgendwann akzeptieren – auch wenn es für manche vielleicht schwer ist.
Dass man mit seinen Emotionen überfordert ist, passiert jedem von uns mal. Und bei jedem hat es andere Gründe. Aber eigentlich liegt es bei allen daran, dass wir zum ersten Mal leben. Dass wir mit Situationen konfrontiert werden, die nicht einfach für uns sind, mit denen wir umgehen lernen müssen. Situationen, die uns herausfordern und die wir so noch nicht kennen.
Wir können das Leben nicht vorhersehen – es macht, was es eben will. Und das können wir nicht kontrollieren. Wir können nicht kontrollieren, mit welchen Situationen wir konfrontiert werden, wir können nicht kontrollieren, ob es regnet, wir können nicht kontrollieren, wem wir morgen begegnen werden. Aber wir können meistens kontrollieren, wie wir mit diesen Situationen umgehen. Was diese Situationen aus uns machen.
Ich spreche nicht von deiner ersten Reaktion. Dass du perplex bist, wenn du mit etwas Neuem konfrontiert wirst, das vielleicht schwer oder traurig für dich ist, musst du nicht kontrollieren oder unterdrücken. Die Gefühle, die bestimmte Situationen in dir auslösen, kommen meistens einfach – ohne dass du es willst oder erwartest. Manchmal überfordern oder überraschen uns Situationen, von denen wir nicht mal wussten, dass sie uns in irgendeiner Form triggern. Diese Emotionen kannst du erst mal nicht kontrollieren.
Was du aber kontrollieren kannst, ist, wie du damit umgehst. Es ist deine Entscheidung, ob du diese Emotionen unterdrückst, ob du darüber sprichst, ob du sie einfach sein lässt oder ob du dich damit beschäftigst. Diese Entscheidung, wie du mit der überfordernden Situation umgehst, liegt nur bei dir.
Manchmal sind wir auch überfordert, ohne dass wir überhaupt wissen, warum. Wir fühlen Emotionen, die wir nicht in Worte fassen können, die vielleicht auch einfach zu viel sind. Manche Emotionen sind uns neu, manche kennen wir schon. Und trotzdem fühlen wir uns, als würden sie uns total kontrollieren. Und ja, in manchen Momenten tun sie das.
Dadurch, dass wir nicht vorhersehen können, was passieren wird und wie wir darauf reagieren – egal wie gut wir uns selbst kennen –, wird es immer Gefühle geben, die uns überraschen, die wir nicht erwartet haben. Und sich damit zu beschäftigen, ist manchmal nicht einfach. Es ist schwer zu akzeptieren, dass man sich manchmal selbst nicht versteht. Am liebsten würden wir uns alle selbst in- und auswendig kennen. Und ja, wir kennen uns selbst gut. Aber wir können eben nicht wissen, wie wir auf Situationen reagieren, die wir noch überhaupt nicht kennen. Die noch neu für uns sind. Bei diesen Dingen können wir nicht aus Erfahrung sprechen. Wir müssen im Moment lernen, uns damit auseinanderzusetzen.
Und nein, das ist nicht immer einfach. Es ist nicht einfach, sich zu fragen, warum man sich so fühlt, wie man sich fühlt. Und das muss man auch nicht sofort. Eine Emotion ist dazu da, sie zu fühlen und nicht sie direkt zu verstehen. Aber es ist trotzdem wichtig, sich irgendwann damit auseinanderzusetzen, sich zu fragen, was man da eigentlich genau fühlt. Und später kann man dann herausfinden, warum man das fühlt.
Wenn du eine Sache aus diesem Text mitnimmst, dann bitte die: Es ist vollkommen in Ordnung, mit seinen Emotionen überfordert zu sein. Das darfst du akzeptieren. Du darfst die Emotionen für den Moment einfach sein lassen. Und irgendwann später, wenn du dazu bereit bist, kannst du dich damit auseinandersetzen, warum du das alles gefühlt hast.
Du schaffst das, ich glaub an dich.